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jana
Verfasst am: 20.03.2009, 23:09 Antworten mit Zitat
Anmeldedatum: 23.02.2007 Beiträge: 42 Wohnort: Berlin
Uns erreichte ein Brief eines nicht namentlich genannt werden wollenden
Vertreters der Katholische Kirche. Nach seinen von uns nicht überprüften Angaben
bekleidet er im deutschsprachigen Raum ein Amt in der unteren Kirchenhierarchie.
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Ihr Rundbrief Nr. 33
hier: freundliches Ersuchen um Stellungnahme *)

Sehr geehrte Damen und Herren,

eine religiöse Grundsatzdiskussion halte ich hier für wenig Erfolg versprechend.
Neben anderen Beiträgen Ihres Rundbriefes, die ich überflogen habe, beweist
besonders der Aufsatz „Bäume des Wasserelements“ in der Nummer 31 gut, dass Sie
und Ihre Anhängerschaft einer postmodernen Religion huldigen, zu deren
Legitimierung man heidnische Kulte neu beleben möchte. Gegenüber dem Christentum
verhält sich das diametral. So viel sei jedoch bemerkt: Die Kirchen bemühen
sich, im Dienste des Menschen Gottes ewige Wahrheit zu vermitteln, während
Publikationen wie Ihre ausschließlich im Trend des Zeitgeistes liegen. In
auffälligem Gegensatz zu themenverwandten Internetprodukten muss man den
Beiträgen Ihres Rundbriefes aufrichtiger Weise ausnahmslos ständiges Ringen um
Seriosität bescheinigen. Und genau da liegt das Problem.

„Eingetragenen“ Christen, die Ihren Glauben praktizieren und bewusst in der
Jetztzeit leben, wird es kaum in den Sinn kommen, naturreligiöse,
vorzivilisatorische Aspekte in ihre Religiosität zu integrieren.

Mitunter allerdings meinen auch Katholiken, Wege finden zu müssen, die ihnen
ermögliche, ihre Überzeugungen freier leben zu können, d.h. „Unabhängig von von
Vorgaben und Regeln, die Menschen aufgestellt haben“, auch auch wenn es sich bei
diesen Menschen um legitime Kirchenvertreter gehandelt hat. Hier hakt dann
geschickt das Neuheidentum ein und bringt manche der gemeinten Christinnen und
Christen ins Straucheln. Um ihre so gefundenen oder bestärkte (irrige!)
Spiritualität völlig ungezwungen leben zu können, sagen sich solche Leute dann
oft von der institutionalisierten Kirche los.

Christen begehen einen Akt der Blasphemie und laden laut den 10 Geboten wie auch
den Kirchengeboten schwere Schuld auf sich, wenn sie sich mit derlei Aberglauben
ernsthaft befassen, der ja auch naturwissenschaftlich abzulehnen ist. Eine Sünde
stellt es weiter dar, „Magiern“ aufzusuchen oder eigene Kräfte für
„Wahrsagereien“ einzusetzen, und sei es nur durch das Legen von Tarot-Karten.

Dies ist nur ein kleines Segment dessen, wofür der „Schlangengesang“ steht.
Zugegeben, Sie betonen ständig die Toleranz Ihrer Religion und vermitteln dem
Leser, es gäbe keinerlei Doktrinen im Götinnenglauben. Doch fragt es sich,
weshalb Sie dann immer wieder einen so unwahrscheinlichen Aufwand betreiben,
Ihren sog. „alten Pfad“ in Gegensatz zum Christentum zu positionieren. Jüngstes
Beispiel ist der Agnes-Artikel in Ausgabe Nr. 33 Ihres Rundbriefes.

Die Vita der Hl. Agnes fußt auf Angaben des Kirchenlehrers Ambrosius (339-397),
der ihren Tod auf 258/59 n. Chr. Ansetzte. Es kursiert noch heute die Theorie,
die Legende sei aus den Martyrien zweier Heiliger zusammengewachsen. Die bereits
Mitte des vorige Jahrhunderts im Auftrag vatikanischer Behörden erfolgte
historische Überprüfung konnte jedoch belegen, dass es sich bei Agnes um eine
keltische Lichtgöttin gehandelt hat, die unter griechisch-römischen Einfluss zur
regionalen Gottheit schamloser Kulte wurde. Die katholische Kirche trug diesem
Forschungsergebnis Rechnung, und Agnes wurde nach dem II. Vatikanischen Konzil –
also bereits vor 40 Jahren! - aus dem offiziellen Römischen Heiligenkalender
gestrichen.

Gemäß ehrwürdiger Traditionen schenkt die Trapistenabtei Tre Fontein der Kirche
zu Rom jedes Jahr am Festtag der Hl. Agnes, dem 21. Januar, im Rahmen einer
feierlichen Bischofsmesse zwei Schafe. Aus deren Wolle werden die Pallien
hergestellt (das sind die weißen stola-ähnlichen Schulterbänder des Heiligen
Vaters und der Erzbischöfe). Einzig dieser kulturhistorischen Bedeutung wegen
hat man zugelassen, dass der 21. Januar in diversen regionalen Heiligenkalendern
als „memoria ad libitum“ (necht gebotener Gedenktag) verbleiben durfte.

Für die Gläubigen ist Agnes die Schutzpatronin der Gärtner („hortus conclusus“,
d.h. Ein verschlossener Garten stellt eine Metapher für geschlechtliche
Unberührtheit dar), Jungfrauen und Verlobten geblieben. Die mythologische
Herkunft der Heiligen interessierte bislang eigentlich nur die
Fachwissenschaftler! Nun wenden Sie eine derartige Akribie auf, Sachverhalte
heruaszustellen, welche eine altertümliche Götterwelt betreffen, die unserer
Gegenwart längst nichts mehr zu sagen hat.

Ihre Recherchen sind dabei erstaunlich aufwendig und die Ergebnisse dem gemäß
korrekt. Der beigegeben Literaturliste entnehme ich, dass sich Ihre
„Enthüllungsstorry“ unter anderem auch auf die vatikanischen Untersuchungen
stützt. Gleichzeitig ziehen Sie sogar Publikationen lokalhistorischer Forschung
heran. Auch fällt auf, dass Sie sich von zweifelhaften Quellen wie Barbara G.
Walkers unsäglichem „Lexikon“ über das „geheime Wissen der Frauen“ konsequent
freihalten. Dort wird die heilige Agnes als jungfräuliche Inkarnation einer
Schafgöttin Rahel definiert, die meines Wissen historisch nicht gesichert ist
und bestenfalls den alten Religionen des Vorderen Orients, keinesfalls jedoch
der keltischen Götterwelt zugeordnet werden könnte.

Alle Ihre Mühen wären einer besseren Sache wert, als die gesamtgeschichtlich
unbedeutende freizügige Lichtgöttin aus dem Schatten der mittlerweile
etablierten christlichen Heiligen wieder hervortreten zu lassen. Was möchten Sie
damit eigentlich erreichen?

Nicht nur im Südosten Österreichs, auch innden deutschen Bundesländern Sachsen,
Thüringen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz existieren vereinzelt Gruppen,
die den Frühjahrbeginn mit Orgien zu „Ehren“ der Göttin Agnes begehen. Sind es
derartige sittenlose, Anstand und Moral verhöhnende Übungen, denen Ihr Rundbrief
Vorschub leisten möchte?

Den Artikeln des „Schlangengesangs“ merkt man die merkt man die journalistisch
saubere Arbeitsweise der mitwirkenden Damen und Herren an. Das ist sehr zu
loben, zumal man das auf dem virtuellen esoterischen „Markt“ schwerlich ein
zweites Mal findet. Die daraus jeweils gezogenen Folgerungen sind jedoch fast
stets gegen den Monotheismus im Allgemeinen und gegen das Christentum im
Speziellen gerichtet. Verstehen Sie das unter Toleranz? Zu diesen Fragen wünsche
ich mir eine Antwort im Schlangengesang.

Es grüßt Sie freundlich

E.B.
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jana
Verfasst am: 20.03.2009, 23:19 Antworten mit Zitat
Anmeldedatum: 23.02.2007 Beiträge: 42 Wohnort: Berlin
Sehr geehrter Herr E.B.

Vielen Dank für Ihre Zuschrift, die wir nicht als Einlassung der
katholischen Kirche, sondern als privaten Brief verstanden haben. Aus
diesem Grund entsprechen wir gern Ihrem Wunsch nach Anonymität, da auch vielen von uns das ambivalente bis offen asoziale Verhalten einiger
MitbürgerInnen gerade in ländlich und christlich geprägten Regionen
gegenüber nonkonformen Menschen bekannt ist.

Vielen Dank, auch für Ihre positiven Äußerungen zur Qualität des
Schlangengesangs. Wir selbst sehen unsere Publikation oft weitaus
kritischer. Das ursprüngliche Anliegen des Schlangengesangs war es,
Menschen aus verschiedenen Teilen der "Göttinnenszene" zusammen zu
bringen, nachdem wir häufig erlebt haben, dass im Internet eine gute
Vernetzung existiert, die jedoch wesentliche Teile der Szene nicht erreicht.
U.a. weil diese das Netz nicht oder nur passiv nutzen und auch
untereinander keinen Kontakt haben. Dabei haben sowohl die Online- als
auch die Offlinefassung des Schlangengesang keine AnhängerInnen sondern lediglich LeserInnen.

Wir haben den Eindruck, dass Sie sich mit neuheidnischer Literatur gut
auskennen. Dies auch, weil Sie in der Lage sind Bücher wie Barbara G.
Walkers Nachschlagewerk "Das geheime Wissen der Frauen" - ein
lexikalisch getarntes Fantasieprodukt über Geschichte, voller
gravierender Fehlinformationen - als Problemfälle zu erkennen. Über die
Struktur des postmodernen Heidentums sowie über den Sinngehalt seiner
Inhalte scheinen Sie jedoch wenig zu wissen.

Anzunehmen, es gäbe ein "geschickt ansetzendes" Heidentum, das gezielt
abtrünnige KatholikInnen beeinflussen will, kommt einer
Verschwörungstheorie gleich. Wir kennen ähnliche Ansätze auch aus der
Betrachtung sogenannter esoterischer Strömungen, denen Bauernfängerei
und Geldschneiderei nachgesagt wird. All dies würde jedoch eine zentrale
Steuerung oder zumindest eine Art Generalplan voraussetzen. Von einem
organisierten und planvoll handelnden Heidentum auszugehen, hält einer
eingehenden soziologischen Betrachtung nicht stand. Insofern sind es
immer die Menschen selbst, die sich vom Katholizismus in welcher Form auch immer abwenden, die entscheiden, welchen neuheidnischen oder
esoterischen Inhalten sie folgen wollen.

Die Mehrheit der heutigen HeidInnen bevorzugt eine selbstbestimmte
spirituelle Entwicklung und gesteht dies auch Angehörigen anderer
Religionsgemeinschaften zu. Gruppen und sonstige Strukturen finden Sie
immer nur innerhalb einer Szene, keineswegs strukturell über ihr, wie
das z.B. bei der katholischen Kirche der Fall ist. Selbst zahlenmäßig
starke Religionsgemeinschaften wie Wicca oder Asatru kennen zwar
Zusammenschlüsse (einiger) ihrer Religionsangehörigen aber keineswegs
eine übergeordnete Kirche und auch keine zentral vorgegebenen
Glaubensinhalte. U.a. darin liegt doch gerade das, was Sie als
"postmodern" bezeichnen. Solange Sie dies nicht in aller Konsequenz
verstehen, werden Sie an den Tatsachen grundsätzlich vorbeireden und
einer das Neuheidentum bestenfalls diffamierenden Fantasie anhängen, die
weder Ihnen noch den Mitgliedern Ihrer Gemeinden strukturell und
"ideologisch" die Möglichkeit eines souveränen Umgangs mit
neuheidnischen Strömungen gibt.

Wir verwahren uns an dieser Stelle gegen menschenverachtende Tendenzen
in Ihrem Brief, die u.a. in Begriffen wie "vorzivilisatorisch" zum
Ausdruck kommen. Gemeint ist an dieser Stelle offenbar
"nichtchristlich". Sie wollen damit spirituelle oder religiöse Praktiken
und Denkweisen diffamieren, die nicht nur vor hunderten oder tausenden
Jahren - übrigens sehr wohl im Rahmen von Zivilisationen - bestanden,
sondern genuin noch heute in vielen Teilen der Welt vorhanden sind. Wir
weisen Sie darauf hin, dass diese Denkweise nicht mehr durch die
offizielle katholische Kirche gedeckt ist. Eine solche Denkweise führt letztendlich dazu, Angehörige anderer Religionsgemeinschaften, indigener Ethnien etc. als Menschen zweiter
Klasse zu betrachten.

Dieser Ansatz ermöglichte der katholischen Kirche bis in die Neuzeit z.B. nordamerikanischen UreinwohnerInnen den Status eines Menschen gezielt abzusprechen.

Mit dieser jeder kulturellen Entwicklung Hohn sprechenden Denkweise hat es
die katholische Kirche sich selbst unmöglich gemacht, den
nationalistischen und rassistischen Gedankengebäuden mit all ihrer
teilweise ausufernden Gewalt der letzten Jahrhunderte entschieden
entgegen zu treten. Wir sind froh, dass solch chauvinistisches Gedankengut
heute auch in der katholischen Kirche bekämpft wird, wie das aktuell am
Beispiel Richard Williams zu erkennen ist. Auch wenn hier ebenfalls sehr
oberflächlich, inkonsequent und in Teilen verlogen vorgegangen wird.

Historisch gesehen, hat sich das christliche Gottesverständnis über den
jüdischen Monotheismus aus einer regionalen, ursprünglich gar nicht
monotheistischen Gottheit entwickelt. Zweifellos führt aber gerade der
zu Ende gedachte Monotheismus zu einer Entweder-Oder-Haltung, die in
massiver Ausgrenzung anderer Gruppen mündet, wie wir sie zu Zeit auch in
Teilen des Islam verstärkt erleben. Für die Mehrheit im derzeitigen
Heidentum bedeutet die Vielfalt des menschlichen Lebens zu feiern auch
die Vielfalt der Zugänge zum Göttlichen zu akzeptieren. Damit
verschwindet einerseits der Ausgrenzungsdruck, andererseits erhöht sich
die individuelle Verantwortung für den eigenen Glauben und seine Wirkung
auf das eigene Leben.

Der Schlangengesang will und kann an keiner Stelle irgendeine Form der
Ausübung der Spiritualität fördern oder bekämpfen. Dies trifft auch auf
die von Ihnen angeführten Orgien zu. In der Kürze der Zeit war es uns
leider nicht möglich, mehr darüber in Erfahrung zu bringen. Vielleicht
können Sie oder unsere LeserInnen uns helfen, Kontakt zu den
entsprechenden Gruppen aufzunehmen. Generell gilt für uns, dass jede
spirituelle Praxis, die nicht lebensfeindlich und menschenverachtend ist
bzw. die Freiwilligkeit der Teilnahme und die Unversehrtheit von Körper
und Psyche garantiert, auch nicht unmoralisch ist. Wenn "Orgie"
tatsächlich im modernen Sinn als "sexuelle Ausschweifung" gesehen werden
soll, ist auch dies eine für uns akzeptable Form menschlichen Seins.

Da Sie selbst scheinbar häufiger das Internet als Informationsquelle
nutzen, möchten wir Ihnen empfehlen, sich in Diskussionsforen etc. zu
beteiligen. Sie werden dort eine für uns oft zu beobachtende Erfahrung
machen: Menschen die erst kürzlich aus einem christlichen Zusammenhang
ausgeschieden sind oder mit einer für sie problematischen Vergangenheit
in Bezug auf das Christentum bzw. auf ChristInnen kämpfen, agieren oft
gegen das Christentum gerichtet. Die Ablehnung wird schwächer, je
sicherer sich die Menschen in einem neuen Kontext verankern können. Da
viele unserer AutorInnen ursprünglich aus einem christlichen Umfeld
kommen, spiegelt sich dieser Prozess auch in unseren Texten wider. U.a.
daher finden Sie eine Reihe sehr unterschiedlich stark ausgeprägter
Haltungen gegen das Christentum neben schlichter Akzeptanz christlichen
Lebens. Sie finden ähnliche Prozesse auch in den antiken
christlichen Texten, in denen sich die Autoren klar von ihren
Ursprungsreligionen abgrenzen oder die sie umgebende nichtchristliche
Umwelt bekämpfen. Psychologisch nachvollziehbar ist das z.B. an der
Gestalt des Saulus/Paulus, wobei wissenschaftlich strittig ist, ob er
für dieses psychische oder wenn Sie so wollen menschliche Problem eine
akzeptable Lösung findet.

Schlangengesang fördert nicht gezielt Ansichten, die gegen das
Christentum gerichtet sind, es sei denn Sie benennen die bloße Existenz
nichtchristlicher Szenen als "gegen das Christentum gerichtet".
Schlangengesang verweigert den Menschen jedoch auch keine Entwicklung
und keine kritische Haltung gegenüber verschiedenen Erscheinungsformen
der Gesellschaft, die ihr Leben beeinflussen. Es trifft im
Schlangengesang das Christentum naturgemäß am ehesten, weil der
deutschsprachige Raum christlich geprägt ist und die Auseinandersetzung
vor allem mit der dominierenden Religion stattfindet. Es steht zu
erwarten, dass mit der zunehmenden Bedeutung des Islam in der westlichen Welt auch islamisch-neuheidnische Konfliktlinien entstehen.

Damit ist auch begründet, warum z.B. der Autor des Artikels "Agnes oder
Die Entsinnlichung einer Göttin" sich die Mühe macht, verschüttete Geschichte wieder zu finden. Sie meinen, dass bislang nur FachwissenschaftlerInnen Interesse an historischen Fakten hatten. Das ist nicht korrekt. Zum einen wurden innerhalb der katholischen Kirche teilweise vorchristliche Traditionen weiter gepflegt und bestenfalls angepasst. Sie können dies in einer Reihe wissenschaftlicher Publikationen u.a. auch der
katholischen Kirche selbst nachlesen. Zum anderen hat die Kirche eine
sehr ambivalente Vorgehensweise gegenüber vorchristlichen oder
parallelen Inhalten und Formen. Von der Personifizierung früherer
Göttinnen in Maria über die massive Adaption antiken jüdischen und
griechischen Gedankengutes, der Übernahme von Besitz, Strukturen und
Formen des Mithras-Kultes (siehe die Mitra der Bischöfe oder die
Bezeichnung des Papstes als Pontifex Maximus) bis hin zu Kornweihen oder
dem bayerischen Maibaum hat die Kirche im großen Stil heidnische Inhalte
transportiert und am Leben erhalten. Ohne den gar nicht monotheistisch
anmutenden christlichen Heiligenkult wären viele vorchristliche GöttInnen längst vergessen.

Da das Christentum im Allgemeinen und viele seiner VertreterInnen im
Besonderen eben nur noch unzureichend Antworten auf die Probleme der
heutigen Zeit haben oder vermitteln können, ist es nötig, neben neuen
Gedanken auch nach Anregungen aus der Geschichte zu suchen. Dazu werden zwangsläufig Verfälschungen und Veränderungen aufgedeckt, die die Entwicklung von Jahrtausenden mit sich brachte. Dies sollte unserer
Meinung nach jedoch nicht mit plumpem Schuldzuweisungen z.B. an die
Adresse der Kirche einhergehen.

Es ist ein weiterer Irrtum Ihrerseits, dass die Mehrheit des
Neuheidentums nach alten Strukturen sucht und alte Kulte wiederbeleben
will. Alte Strukturen, deren Bedeutung wir nicht genau kennen, können
nicht original wiederbelebt werden. Sie haben auch Recht damit, dass das
nicht in die jetzige Situation passen würden. Wir können im Alten
genauso wie in den Werten und Handlungen anderer Religionen und
Strömungen Hinweise auf die "Ewigen Wahrheiten" des Menschseins suchen
und sie entsprechend den gegenwärtigen Gegebenheiten in individueller
Verantwortung das jetzige Leben integrieren.

In der Hoffnung, Ihre Fragen im Wesentlichen beantwortet zu haben, mit
freundlichen Grüßen, die Redaktion des Schlangengesangs.
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